
Wenn Sie über Wolfsblut Hundefutter nachdenken oder es bereits füttern, stoßen Sie schnell auf zwei Extreme: begeisterte Fünf-Sterne-Lobeshymnen auf der einen, harsche Deklarations-Kritik auf der anderen Seite. Was davon im Napf Ihres Hundes tatsächlich zählt, bleibt dabei oft unklar. In diesem Check ordne ich Wolfsblut als unabhängiger Berater ein – ohne Verkaufsinteresse an der Marke. Sie erfahren, was wirklich drinsteckt, wo die Stärken liegen, welche Kritikpunkte berechtigt sind und für welchen Hund Wolfsblut eine sinnvolle Wahl ist.
Was ist Wolfsblut? Marke, Hersteller und das Konzept dahinter
Wolfsblut wurde 2005 von Felix Becker unter der Leipziger Healthfood24 GmbH gegründet und gehört seit 2020 zum Münchner Konzern AlphaPet Ventures. Produziert wird in Deutschland und Großbritannien. Die Marke gilt als einer der Pioniere für getreidefreies Hundefutter im deutschsprachigen Raum.
Das Konzept dahinter trägt den Namen „Wolf im Hund“: Die Ernährung soll sich an der natürlichen Nahrung des Wolfes orientieren – also viel Fleisch, dazu Beeren, Kräuter und sogenannte Superfoods wie Sanddorn oder Brennnessel, statt Getreide. Verzichtet wird auf künstliche Farb-, Lock- und Aromastoffe sowie auf Soja. Das Sortiment ist groß: ein breites Trockenfutter-Programm, dazu Nassfutter, viele ungewöhnliche Proteinquellen und einzelne Spezialsorten.
Diese Positionierung klingt nachvollziehbar – ist aber zunächst ein Marketingversprechen. Entscheidend ist, was die Zusammensetzung im Alltag für Ihren Hund bedeutet. Genau das schauen wir uns jetzt an.
Wie ist Wolfsblut zusammengesetzt? Fleischanteil, Getreidefreiheit und Inhaltsstoffe
Der Fleischanteil liegt bei den meisten Wolfsblut-Sorten bei rund 65 bis 66 Prozent. Das ist ein solider Wert, der über vielen Supermarkt- und Discounter-Produkten liegt, aber nicht an die absolute Spitze des Marktes (Sorten mit 70 Prozent und mehr) heranreicht. Als Kohlenhydratquelle nutzt Wolfsblut überwiegend Süßkartoffeln und Kartoffeln, ergänzt um Obst, Gemüse und Kräutermischungen.
Eine echte Stärke ist die Vielfalt bei den Proteinquellen. Neben gängigem Fleisch gibt es exotische Sorten mit Pferd, Kamel, Rothirsch oder Fisch sowie reine Monoprotein-Sorten – also Rezepturen mit nur einer einzigen tierischen Eiweißquelle, etwa Ente bei der bekannten Sorte Wild Duck. Monoprotein bedeutet: Der Hund bekommt nur ein Protein zu fressen, was die Suche nach dem Auslöser erleichtert, wenn eine Unverträglichkeit im Spiel ist.
An dieser Stelle ein ehrliches Wort zur Getreidefreiheit, mit der Wolfsblut stark wirbt: Getreidefrei ist nicht automatisch gesünder. Ein getreidefreies Futter ist nur dann ein echter Vorteil, wenn Ihr Hund tatsächlich empfindlich auf Getreide reagiert – und das ist seltener der Fall, als viele annehmen. Zudem werden statt Getreide hier Kartoffeln und Süßkartoffeln eingesetzt, die ebenfalls Kohlenhydrate liefern. Die Frage ist also nicht „mit oder ohne Getreide“, sondern ob die gesamte Zusammensetzung zu Ihrem Hund passt.
Die Vorteile von Wolfsblut – wo die Marke wirklich punktet
In meiner Beratung und in den vielen verfügbaren Wolfsblut Erfahrungen kristallisieren sich einige klare Stärken heraus – wobei jede nur dann zählt, wenn sie zur Situation Ihres Hundes passt.
Hohe Akzeptanz. Wolfsblut wird von vielen Hunden gerne gefressen. Das klingt banal, ist aber gerade bei wählerischen Fressern Gold wert. Wenn Sie schon mehrere Futter erfolglos probiert haben, weil Ihr Hund sie verschmäht, ist eine gute Akzeptanz ein echtes Argument.
Auswahl für empfindliche Hunde und Allergiker. Hier liegt die größte Stärke der Marke. Die Monoprotein- und Exotensorten sind ein sinnvolles Werkzeug, wenn Ihr Hund auf gängige Fleischsorten wie Rind oder Huhn empfindlich reagiert. Eine ungewöhnliche Proteinquelle wie Pferd oder Kamel kennt das Immunsystem oft noch nicht – das kann bei einer Ausschlussdiät hilfreich sein. Wichtig: Eine Ausschlussdiät gehört in Absprache mit dem Tierarzt durchgeführt, nicht auf eigene Faust.
Getreidefrei bei tatsächlicher Sensibilität. Für die Hunde, die Getreide wirklich schlecht vertragen, ist das durchgängig getreidefreie Sortiment ein praktischer Vorteil, weil die Auswahl nicht eingeschränkt wird.
Verzicht auf künstliche Zusätze. Keine künstlichen Farb-, Lock- und Aromastoffe, kein Soja – das ist kein Wundermittel, aber ein vernünftiger Standard, den nicht jedes Futter im gleichen Preissegment einhält.
Große Sortenvielfalt. Wer im Wechsel füttern möchte, findet bei Wolfsblut genug Varianten, um Abwechslung in den Napf zu bringen, ohne die Marke zu wechseln.
Die Nachteile und Kritikpunkte – worauf Sie achten sollten
Kein Futter ist perfekt, und bei Wolfsblut tauchen einige Kritikpunkte immer wieder auf. Entscheidend ist, sie einzuordnen: Was zählt im Alltag wirklich, und was ist eher theoretisch?
Die Deklaration könnte transparenter sein – und das zählt. Das ist der berechtigtste Kritikpunkt. Auf vielen Sorten steht etwa „Ente (mind. 66 %)“, ohne aufzuschlüsseln, wie viel davon frisches Fleisch und wie viel getrocknetes ist. Auch welche Innereien in welcher Menge enthalten sind und woraus die Frucht- und Kräutermischungen genau bestehen, bleibt oft vage. Für Sie als Halter heißt das: Sie können nicht vollständig nachvollziehen, was Ihr Hund konkret bekommt. Bei einem Futter, das sich als hochwertig positioniert, darf man hier mehr Klarheit erwarten.
Lange Zutatenlisten – ein Paradox bei der Allergiker-Positionierung. Manche Sorten enthalten sehr viele Komponenten, gerade bei den Obst-, Gemüse- und Kräuterzusätzen. Je mehr verschiedene Zutaten ein Futter hat, desto mehr potenzielle Auslöser sind enthalten. Das steht in einem gewissen Widerspruch zum Anspruch, besonders für sensible Hunde geeignet zu sein. Für einen Hund mit echter Allergie kann eine schlanke Monoprotein-Sorte deshalb besser sein als eine vermeintlich „reichhaltige“ Rezeptur.
Solider, aber kein Spitzen-Fleischanteil. Rund 65 Prozent sind ordentlich. Wer aber gezielt nach dem höchstmöglichen Fleischanteil sucht, findet am Markt Spezialisten, die deutlich darüber liegen.
Der Preis. Wolfsblut bewegt sich im oberen Preissegment. Für getreidesensible Hunde oder Allergiker kann sich das lohnen. Bei einem gesunden Hund ohne besondere Ansprüche zahlen Sie aber unter Umständen für Eigenschaften, die Ihr Hund gar nicht braucht.
Was Sie dagegen gelassen sehen können: Diskussionen darüber, ob das „Wolf im Hund“-Konzept ernährungsphysiologisch korrekt ist, sind eher akademisch. Hunde sind über Jahrtausende keine Wölfe mehr – aber ein fleischbetontes, gut verträgliches Futter bleibt deshalb trotzdem eine vernünftige Basis.
Trocken- oder Nassfutter? Wolfsblut in der Futterart einordnen
Wolfsblut ist in erster Linie als Trockenfutter-Marke groß geworden, bietet daneben aber auch Nassfutter an. Diese Unterscheidung ist wichtiger, als sie auf den ersten Blick wirkt, denn die Futterart beeinflusst Verträglichkeit, Feuchtigkeitsaufnahme und Alltagstauglichkeit oft stärker als die Marke selbst.
Trockenfutter ist praktisch in Lagerung und Portionierung, enthält aber wenig Feuchtigkeit – Ihr Hund muss entsprechend mehr trinken. Nass- und Frischfutter bringen von Natur aus mehr Wasser mit und werden von manchen empfindlichen Hunden besser vertragen. Bevor Sie sich also auf eine konkrete Wolfsblut-Sorte festlegen, lohnt der Schritt zurück zur Grundsatzfrage, welche Futterart überhaupt zu Ihrem Hund passt. Die Vor- und Nachteile der einzelnen Futterarten habe ich in der Übersicht zu den verschiedenen Hundefutter-Arten ausführlich gegenübergestellt.
Für welchen Hund ist Wolfsblut geeignet – und für welchen eher nicht?
Das ist die Frage, auf die es ankommt. „Gut“ oder „schlecht“ hilft Ihnen nicht weiter – entscheidend ist die Passung zu Ihrem konkreten Hund.
Wolfsblut kann eine gute Wahl sein, wenn:
- Ihr Hund auf gängige Fleischsorten empfindlich reagiert und Sie eine ungewöhnliche oder Monoprotein-Quelle suchen.
- Ihr Hund Getreide nachweislich schlecht verträgt und Sie ein durchgängig getreidefreies Sortiment wollen.
- Sie einen wählerischen Fresser haben, bei dem die Akzeptanz das größte Problem ist.
- Sie Wert auf den Verzicht auf künstliche Zusatzstoffe legen und bereit sind, dafür mehr zu bezahlen.
Vorsicht oder eine andere Lösung kann sinnvoller sein, wenn:
- Ihr Hund stark allergisch ist – dann ist eine möglichst kurze, klar deklarierte Zutatenliste oft wichtiger als eine umfangreiche „Superfood“-Rezeptur.
- Sie maximale Transparenz über Herkunft und genaue Mengen jeder Zutat brauchen.
- Ihr Hund ein gesunder Normalfall ohne besondere Ansprüche ist – hier bekommen Sie vergleichbare Qualität oft günstiger.
- Ihr Hund Frisch- oder Nassfutter deutlich besser verträgt als Trockenfutter.
Und ein klarer Hinweis zum Schluss dieses Abschnitts: Wenn Ihr Hund unter anhaltenden Beschwerden wie Juckreiz, Durchfall oder Hautproblemen leidet, ist die Futterwahl nur ein Baustein. Solche Symptome gehören zunächst tierärztlich abgeklärt – kein Futter der Welt ersetzt eine Diagnose.
Lohnt sich Wolfsblut für Ihren Hund?
Wolfsblut ist ein ordentliches, fleischbetontes und durchgängig getreidefreies Futter mit einer echten Stärke bei Sorten für empfindliche Hunde und Allergiker – getrübt durch eine Deklaration, die transparenter sein dürfte, und einen Preis im oberen Bereich. Ob es sich lohnt, hängt damit nicht von der Marke ab, sondern davon, ob genau diese Eigenschaften zu den Bedürfnissen Ihres Hundes passen.
Wenn Sie unsicher sind, ob Wolfsblut – oder welche Sorte davon – die richtige Wahl für Ihren Hund ist, schaue ich mir das gerne gemeinsam mit Ihnen an. In einer kostenlosen Futterberatung ordnen wir die aktuelle Fütterung ein und finden heraus, was wirklich zu Ihrem Hund passt – ohne Verkaufsdruck und ohne Verpflichtung.
